Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

UmweltSenioren Hannover e.V.

Umweltschutz soll verstanden werden!

 

Datum:     16.03.2005

Author:     von Sabine Szameitat

Zeitung:   aktiv im Leben        

Titel: Landwirtschaft: Von Romantik keine Spur    

Untertitel:  Umweltsenioren des Freiwilligenzentrums besichtigen Lehr- und Forschungsgut Ruthe

 Text:

 Zehn Euro bekommt ein deutscher Landwirt für einen Doppelzentner Weizen, 250 Euro der Bäcker für die Brötchen, die er daraus backt. Ungewohnt tiefe Einblicke in das Landleben von heute erhielten die 23 Frauen und Männer aus Hannover und Hildesheim, die mit den Umweltsenioren des Freiwilligenzentrums Hannover zum Lehr- und Forschungsgut Ruthe der Tierärztlichen Hochschule Hannover gefahren waren.
„Romantik gibt es hier nicht, weder durch krähende Hähne noch beim Natursprung durch einen Bullen", stellte Christian Sürie, Administrator des Guts bei Sarstedt, klar. Die Teilnehmer der Exkursion, von denen einige in ihrer Jugend noch bäuerliches Leben kennen gelernt hatten, staunten über den Melkroboter für die 80 gutseigenen Kühe und verschiedene Formen der Legehennenhaltung. Sie erfuhren, wie moderne Landwirte den günstigsten Zeitpunkt für die Besamung der Kühe herausfinden oder das Gelbe vom Ei dottergelb bekommen.
Mancher Teilnehmer revidierte angesichts von Eier-Förderbändern ganz schnell sein idyllisches Bild von glücklichen Mistkratzern, wie sie auf den Eierpackungen zu sehen sind. „Die meisten Deutschen wollen ihr Frühstücksei in XL-Größe", erklärte Christian Sürie. „Aber so dicke Eier belasten das Huhn. Ich kaufe bei uns immer nur S-Eier, die viel besser sind und dazu erheblich billiger.“
Wenn die Verbraucher über hohe Lebensmittelpreise stöhnten und immer mehr zum Discounter gingen, sollten sie bedenken, wie preiswert sie die Nahrungsmittel bekommen. „Nur noch zwölf Prozent unseres Einkommens geben wir durchschnittlich für Essen und Trinken aus", gab Sürie zu bedenken. „Dennoch wird in diesem Bereich am meisten gespart, statt am Auto oder der jährlichen Flugreise." Der Ernährung werde viel zu wenig Wert beigemessen. Während vor Jahrzehnten auf Drängen gesund-heitsbewusster Verbraucher den Schweinen der Speck abgezüchtet worden sei, verzehrten die Deutschen heute wesentlich mehr Fett als früher, beispielsweise in frittierten Fertiggerichten.
Wie Arbeitskräfte eingespart und landwirtschaftliche Produkte immer billiger produziert werden können, wurde den Umweltsenioren angesichts von computergesteuerten Fütterungsanlagen, Melkrobotern und strohlosen Ställen schnell klar. Erstmals beschäftigte sich die Gruppe des Freiwilligenzentrums mit einem landwirtschaftlichen Thema. „Vorher haben wir-schon einmal mit dem Förster die Eilenriede besichtigt, eine Entsorgungsgesellschaft in Änderten und das Klärwerk Herrenhausen gesehen", berichtet Christian Neumann. Der 66-Jährige hat sich zusammen mit Mike Mordhorst und Jörg Tetzner im Freiwilligenzentrum Hannover zum Senior-Trainer ausbilden lassen.
Im Mai 2004 haben der ehemalige Marketingberater, der ehemalige Pharma-Vertriebsleiter und der Jurist die Gruppe ins Leben gerufen. „Wir wollen Kenntnisse aus dem Bereich Umwelt und Ökologie auf einem fassbaren Niveau vermitteln und das Bewusstsein für Zusammenhänge schärfen", erklärt Renate Schulz, die die Fahrt nach Ruthe organisiert hatte. Die Biologin hat ein Berufsleben lang an der Universität Hildesheim angehende Grund-, Haupt- und Realschullehrer ausgebildet. „Es ist ein Vorteil, dass wir aus so unterschiedlichen Berufen kommen", meint sie. „Auf diese Weise können wir den Teilnehmern sehr unterschiedliche Vertrags- und Besichtigungsangebote machen."
„Ursprünglich hatten wir die Gruppe auf ein Jahr begrenzt, aber inzwischen sieht es so aus, als wenn sich die Umweltsenioren etablieren", meint Christian Neumann. „Unser Ziel war, alten Menschen ein Forum zu geben, wo sie Fragen stellen können, die man eigentlich nicht stellt - beispielsweise hier auf dem Gut nach Tierschutz oder Gentechnik", erläutert er. „Und die Idee scheint anzukommen."
Das nächste Mal soll es am 17. März um das Thema „Maschsee in Seenot" gehen. Dann wird Fischzuchtmeister Hans-Ulrich Möller erklären, was zu viel Entenfüttern dem Maschseewasser antut.